Markus Kroell - Kontrabassist

Quintstimmung



Als ich vor einigen Jahren das erste mal über die Renaissance der Quintstimmung las, war ich von der Idee fasziniert. Allein die Möglichkeit einer kompletten Realisierung des Kontrabass-Registers ohne dabei auf "Krücken" á la 5-Saiter oder C-Extension zurückgreifen zu müssen, machte diese Stimmung für mich sehr attraktiv. Die Praktische Umsetzung erschien mir jedoch schwierig, insbesondere da ich bis dahin mit herkömmlicher "Drei-Finger-Technik" spielte und die Vorstellung der mit der Quintstimmung verbundenen häufigen Lagenwechsel nicht unproblematisch fand. Hinzu kam das ich zu dieser Zeit in ein Projekt involviert war wo ich recht viel Original-Literatur (Bottesini, Koussevitzky etc.) spielte, und diese dem Quartgestimmten Kontrabass sozusagen auf den Leib komponiert ist. Zwar lässt sich zumindest ein Teil dieser Literatur auch mit dem Quintgstimmten Bass realisieren, doch auch das schien mir unnötig kompliziert. Damit waren die Überlegungen zur Anwendung der Quintstimmung erst mal wieder zurückgestellt.

Eine Weile darauf lernte ich die Neue-Niederländische-Schule kennen und entdeckte die großen Möglichkeiten der damit verbundenen neuen Spieltechnik für den Kontrabass. Nachdem ich die "4-Finger-Technik" erlernt hatte erschienen mir die spieltechnischen Probleme der Quintstimmung deutlich leichter lösbar, so rückte die Idee es mit der Quintstimmung zu versuchen wieder ins Blickfeld.

Als Vorbereitung zum erlernen der Quintstimmung habe ich mich vorerst mental mit dem Problem befasst und mir die Lage der Töne und die entsprechenden Fingersätze lediglich imaginiert, als optische Hilfe diente mir ein an der Wand aufgehängtes Papp-Griffbrett in Originalgröße. Da ich leider nicht die Möglichkeit hatte den "Spielbetrieb" einzustellen und erst einmal in Ruhe zu üben, folgte die praktische Umsetzung dann gewissermaßen als "Crash-Kurs". Das hieß: Saiten aufziehen und das Programm des nächsten Projekts (Schütz Motetten, Bach Kantate beides nicht lang und nicht schwierig) so studieren das es möglichst unfallfrei zu bewältigen ist, dafür hatte ich 4 Tage Zeit, das Ergebnis war ermutigend. Trotz allen schnellen Erfolges brauchte es schon einige Zeit bis sich erste Automatismen einstellten, jeder Notentext musste geübt werden auch wenn er nicht unbedingt schwierig war. In der Anfangszeit war jede Probe eine reine Konzentrations-Schlacht, je länger die Probe andauerte umso heftiger und manchesmal ging auch der Griff auf den Ton der mal-da-war-aber-nun-woanders-ist - auch leere Saiten führten hin und wieder zu überraschenden Klang-Ergebnissen - ein Zweithirn wäre in dieser Phase höchst willkommen gewesen.

Nach etwa 10 Wochen mit der Quintstimmung waren für mich Bach's Matthäus-Passion und Händel's Messias zu bewältigen, von da an stellten sich auch langsam aber sicher die Automatismen ein.

Nach mittlerweile 9 Monaten fühle ich mich mit der Quintstimmung bereits weitgehend "zu hause". In dieser Zeit habe ich einige Kammermusik und Orchesterprojekte mit der Quintstimmung absolviert und möchte die Vorteile dieser Stimmung nicht mehr missen. Einer der Auffallendsten Vorteile der Quintstimmung ist die erheblich verbesserte klangliche und intonatorische Integration des Kontrabasses in einem Streicherensemble.

Als Übungsmaterial verwende ich u.a. die "Täglichen Übungen für Violoncello" von Louis R. Feuillard , zusätzlich baue ich immer Blattspieltraining in das Übeprogramm ein, hierzu dienen sowohl Orchesterstudien, Orchester- und Kammermusikstimmen als auch Sololiteratur.

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